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Es werden Posts vom Januar, 2026 angezeigt.

GLP-1-Gentherapie statt Abnehmspritze: Wie die Bauchspeicheldrüse zur Hormonfabrik gegen Adipositas wird. Blog#252

Die globale Zunahme von metabolischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Adipositas stellt unsere Gesundheitssysteme vor eine Zerreißprobe. Trotz hochwirksamer neuer Medikamente scheitern viele Therapien an der langfristigen Anwendung. Neue gentherapeutische Ansätze könnten die Logik der Behandlung grundlegend verändern – wenn Sicherheit und Steuerbarkeit gelöst werden. Das Paradoxon der modernen Abnehmmedizin Es ist ein bemerkenswerter Widerspruch unserer Zeit: Wir verfügen heute über hocheffektive Wirkstoffe wie Semaglutid oder Tirzepatid – die sogenannten Abnehmspritzen –, die eine neue Ära in der Behandlung von Übergewicht eingeleitet haben. Dennoch breitet sich die Adipositas-Epidemie fast ungebremst aus.  In Deutschland sind bei den Erwachsenen zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen von Übergewicht (BMI ≥ 25 kg/m²) betroffen, und etwa ein Viertel leidet unter Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m²). Das Problem liegt nicht an der mangelnden Potenz dieser Mittel, sondern an ih...

KI richtig nutzen | Urteilskraft stärken statt Denken auslagern. Blog#251

Künstliche Intelligenz beschleunigt Routinen – und kann zugleich deine Urteilskraft schwächen, wenn du sie unkritisch einsetzt. Erforderlich ist ein klares Anwendungsmodell: Wiederkehrende Aufgaben mit geringem Zusatznutzen konsequent delegieren, Aufgaben mit hohem Entwicklungseffekt bewusst selbst bearbeiten und KI als verlässliches Werkzeug kalibrieren. So gewinnst du Fokus, Lerntiefe und bessere Entscheidungen. Viele Menschen erleben gerade dasselbe: Du hast mehr Zugriff auf Wissen als je zuvor – und trotzdem bleibt am Ende des Tages das Gefühl, viel getan und wenig bewegt zu haben. KI verstärkt dieses Spannungsfeld. Sie kann dir Zeit schenken. Sie kann dir aber auch die unangenehmen Denkanteile abnehmen, die dich eigentlich weiterbringen. Produktivität ist nicht gleich Fortschritt Das Muster ist simpel: Du hakst Aufgaben ab, bekommst kleine Erfolgssignale im Kopf – und verwechselst das mit Entwicklung. Das ist kein Charakterfehler. Dein Gehirn belohnt Abschluss, nicht Wirkung. Eine...

Nous-209 bei Lynch-Syndrom: Kann ein Impfstoff Darmkrebs vorbeugen? Blog#250

Ein Impfstoff, der Krebs nicht behandelt, sondern seine Entstehung verhindern soll: Was lange wie Science-Fiction wirkte, wird für eine klar definierte Risikogruppe erstmals klinisch prüfbar. Eine Phase‑1b/2‑Studie zu Nous‑209 untersucht, ob sich das Immunsystem von Menschen mit Lynch‑Syndrom so trainieren lässt, dass es sehr frühe Zellveränderungen erkennt, bevor daraus ein Tumor entsteht. Das Lynch‑Syndrom ist eine erbliche Tumorprädisposition, die etwa 1 von 300 Menschen betrifft. Betroffene haben – abhängig vom betroffenen Gen – ein deutlich erhöhtes Lebenszeitrisiko für bestimmte Krebserkrankungen, insbesondere für Darmkrebs. Entsprechend zentral ist eine engmaschige Vorsorge. Nous‑209 könnte langfristig eine weitere Möglichkeit zur Vorbeugung werden.

Arzneimittelentwicklung: Warum Innovation immer teurer wird – Eroom’s Law bei Small Molecules. Blog#249

Wir alle hoffen auf wirksamere und besser verträgliche Medikamente – gegen Krebs, Alzheimer, seltene Erkrankungen oder Volkskrankheiten wie Diabetes. Gleichzeitig wird die Entwicklung neuer Arzneimittel im Mittel immer langsamer, riskanter und teurer. Dieses Spannungsfeld beschreibt Eroom’s Law: Trotz rasanter Fortschritte bei Methoden, Daten und Technologie sinkt die Zahl der Neuzulassungen pro investiertem (inflationsbereinigtem) F&E-Dollar langfristig. Kurzfazit Fokus dieser “Blog-Serie”: Small Molecules (hier definiert als kleine organische Wirkstoffe < 800 Dalton). Eroom’s Law: Die Zahl neu zugelassener Wirkstoffe pro investierter F&E-Summe halbiert sich grob alle ~9 Jahre; für 1950–2010 wird ein Rückgang um etwa Faktor ~80 berichtet. Im Schnitt kostet die Entwicklung eines Medikaments bis zur Zulassung rund  2,2 Mrd. US-Dollar  –  inklusive Fehlschläge . Bei  komplexen Indikationen  liegt der Betrag oft  deutlich höher . Kernmechanismus: N...